Magazin Visionen - Einfach. Besser. Leben.

Solange wir nicht in unserer eigenen Mitte ruhen, sind wir fremden Einflüssen ausgeliefert, die selten unserem spirituellen Fortschritt förderlich sind.

Wer in der eigenen Mitte ruht, bewahrt unter allen Umständen sein inneres Gleichgewicht. Er wird unabhängig von den störenden Einflüssen seiner Umgebung und frei, seine Kräfte für höhere Ziele einzusetzen. Um die eigene Mitte zu finden, ist es erforderlich, schrittweise die eigenen Gedanken, Gefühle und Reaktionen kennen und beherrschen zu lernen, so wie ein Musiker sein Instrument. Diese Art von Selbstkontrolle ist aber nicht das Ergebnis verkrampfter Willensanstrengung, sondern eine natürliche Folge erhöhter, wohlgeübter Achtsamkeit.

Wichtig ist, dass ihr zunächst einmal lernt, mit eurem äußeren Umfeld zurechtzukommen, das heißt mit eurem häuslichen und/oder beruflichen Leben. Wir werden ja nach unserem tatsächlichen Handeln beurteilt werden, nicht nach unseren Worten. Alles, was wir tun, sei es in Form von Handlungen, Gefühlen oder Gedanken, entspringt aus dem, „wes unser Herz voll ist“. Das Gemüt – unser Denken, Fühlen und Wollen – zeigt an, wie es um uns steht; wie ein Spiegel gibt das Gemüt unseren eigenen inneren Zustand zu erkennen. Wie gut es euch gelingt, erfolgreich mit eurem äußeren Umfeld zu Rande zu kommen, werdet ihr daran feststellen können, dass ihr zunehmend Herr über eure Gedanken werdet.

Die Gedanken beobachten

Die meisten von uns tun nichts weiter, als in Gedanken, Worten and Taten auf den momentanen Reiz zu reagieren, das heißt aus dem Instinkt heraus. In Wahrheit verhält es sich so, dass wir jedes Gedankens bewusst gewahr werden müssen, der uns durch den Kopf geht; wir müssen unsere Worte wägen, ehe wir den Mund auftun, und dürfen auf die Situation, der wir uns gegenübersehen, nicht bloß mit leerem Geschwätz reagieren. Wenn es uns gelingt, in dieser Hinsicht auch nur ein Stück weit voranzukommen, haben wir einen großen Schritt in Richtung Selbstkontrolle getan.

Man kann seinen spirituellen Fortschritt daran ermessen, wie gut man die eigenen Gedankenmuster bewusst zu kontrollieren vermag. Wer diese Kontrolle bis zu einem gewissen Grad erlangt hat, wird nicht mehr von äußeren Umständen, Belastungen und Spannungen, die ihm sein Umfeld vielleicht auferlegt, aus der Bahn geworfen oder aus dem Gleichgewicht gebracht. Wer nicht imstande ist, über seinen äußeren Lebensumständen zu stehen, sie im Griff zu haben und mühelos zu regeln, wird es auf dem spirituellen Weg niemals zu etwas bringen.

tuellen Weg niemals zu etwas bringen. Die eigene Natur beherrschen zu lernen; sein gesamtes Leben so lückenlos unter Kontrolle zu bringen; sich aus eigener Kraft von äußeren Verlockungen loszusagen – dies alles bedarf der Selbsterforschung. Beginnt mit der bewussten Kontrolle über einen kleinen Teilbereich eures Lebens. Wenn ihr euch dabei zugleich ein wenig vom göttlichen WORT im Innern berauschen lasst, werdet ihr es mit der Unterstützung dieser Kraftquelle schaffen. Ohne Meditation wird man es nicht schaffen – das wird von allen Meistern bestätigt.

Die Herrschaft über die Sinne

Wir sind es, die dem Gemüt durch Unachtsamkeit Macht verleihen. Wir sind es, die den Sinneskräften durch Unachtsamkeit Macht über uns einräumen. Wir sind es, die im Äußeren Gutes und Schlechtes betrachten. Aber wenn wir unsere eigene Mitte finden, sind wir frei, unsere äußeren Fähigkeiten nach eigenem Gutdünken bestmöglich zu gebrauchen. Solange ihr nicht lernt, in der eigenen Mitte zu ruhen, seid ihr unweigerlich fremden Einflüssen ausgeliefert.

Wir ziehen uns von außen her – durch die ungeregelten Sinneskräfte – ständig neue Eindrücke zu und werden, wohin sich unser Bewusstsein auch wendet, unversehens von der Ausstrahlung derer beeinflusst, mit denen wir in Berührung kommen. Wenn sie reinen Herzens sind, dann ist es gut. Andernfalls überträgt sich ihre Ausstrahlung auf euch.

Vor der Spiritualität im eigentlichen Sinne kommt die Schulung zur menschlichen Reife, die Heranbildung zum Menschen. Ehe ihr nicht wenigstens Herr über alle fünf Sinne geworden seid, ist kein nennenswerter spiritueller Fortschritt möglich. Lasst euch in keiner Weise von Lust, Ärger, Gier und Abhängigkeit beherrschen. Gebt Acht auf eure Sinne! Lust springt uns durch die Augen an, Ärger überfällt uns durch die Ohren. Bindungen entstehen durch Berührung. Erhebt euch über all dies, und ihr werdet die Verbindung mit der Wahrheit erlangen.

Wir sind nicht das Gemüt

Alle Meister betonen, dass man sich selbst erkennen sollte, denn da wir uns mit dem Gemüt identifiziert haben, das sich wiederum mit den Sinnen eins sieht, besteht in der Tat völliges Vergessen darüber, wer wir in Wahrheit sind. Eine Geburt nach der anderen lässt sich die Seele durch das Gemüt zerreißen. Solange das Gemüt nicht von den Sinnen loskommt und die Seele nicht vom Gemüt freikommt und sich wahrlich selbst erkennt, kann man unmöglich Gott erkennen.

. Ihr werdet finden, dass selbst große Seher und Gelehrte unter dem Gemüt und seinen Aktivitäten gelitten haben. Wichtig ist, ihm die Dinge so, wie sie sind, klar zu machen, denn dieses Leben währt nur wenige Tage. Ist es intelligent, seine ganze spirituelle Zukunft wegen ein paar Tagen Tanz nach dem Takt des Gemüts zu opfern? Die Meister versuchen uns zu helfen, damit wir die wirkliche Lage erfassen und unsere Aufmerksamkeit auf die Seele lenken – nämlich die Tatsache, dass wir Seele sind, der Bewohner des physischen Körpers.

Das Gemüt ist schwer zu begreifen, denn sein Netz ist stark und hat viele Verzweigungen. Da ist das physische Gemüt (Pind), das in die äußeren Freuden verstrickt ist. Dann gibt es das astrale und das kausale Gemüt (And und Brahmand). Erst wenn man alle drei überschreitet, erkennt man, wer man ist.

Das Gemüt umwenden 

Das Gemüt ist nichts Geringes und nicht leicht zu bändigen und zu überwinden, aber wir sollten damit beginnen, seine Richtung zu ändern. Solange es den weltlichen Dingen zugewandt bleibt, wird die Seele weltlich gesinnt und geprägt sein, aber wenn es sich umdreht und sich der Seele zuwendet, wird diese spirituell werden. Wir müssen es umwenden. Wie das Feuer ist es ein guter Diener, aber ein schlechter Herr. Wenn ihr es unter Kontrolle habt, kann das Feuer jede Menge Arbeit für euch tun: Maschinen antreiben, eure Speisen kochen und vieles andere; aber einmal außer Kontrolle geraten, kann es euch zu Asche verbrennen.

Ihr erinnert euch vielleicht an die Geschichte vom Mann, der einen Schutzgeist geschenkt bekam und dem dabei gesagt wurde, der Geist werde alle Arbeit für ihn tun, doch dürfe er ihm nicht erlauben, untätig zu sein, denn dann würde er ihn aufessen. Nach ein oder zwei Tagen war alle Arbeit getan, und da der Mann nicht wusste, was er machen sollte, zog er einen großen Mahatma zu Rate. Dieser riet ihm, einen hohen, starken Pfahl aufzustellen und dem Schutzgeist zu befehlen, ständig daran hinauf- und hinunterzusteigen, bis ihm geheißen wurde, damit aufzuhören. Dies zeigt bildhaft, dass ein untätiges Gemüt des Teufels Wohnstatt ist und, wenn man es unbeschäftigt lässt, nichts als Unheil stiftet.

Um das Gemüt völlig im Griff zu haben, ist die Verbindung mit der Gotteskraft die einzige Lösung. Viele große Seher und Mahatmas sind im kausalen und astralen Bereich der Täuschung des Gemüts hängengeblieben. Wenn ihr die maßgeblichen Bücher zu diesem Thema lest, werdet ihr herausfinden, dass die Anordnungen des Gemüts auf jeder Ebene – der physischen, astralen und der kausalen – ausgeführt werden.

Das Gemüt hat große Macht. Auch wenn ihr euch in der Meditation über den physischen Körper erhebt, steht ihr noch unter seinem Befehl – dem von dem astralen Gemüt (And). Ebenso untersteht ihr in der Kausalebene dem kausalen Gemüt. Es ist seine Gewohnheit, die Seele immer wieder zu Fall zu bringen. Aber wenn Gott die Seele, die sich Ihm zuwendet, mit Seiner ganzen Barmherzigkeit überschüttet und sie über alle drei Regionen erhebt, ist das Gemüt machtlos. Bis dahin bleibt die Gefahr bestehen, dass die hilflose Seele durch das Gemüt irregeführt wird.

Beharrlich bleiben 

Ihr lasst euch immer noch zu sehr von weltlichen Angelegenheiten in Anspruch nehmen. Das solltet ihr abbauen: Bleibt in die göttliche Gnade vertieft. Führt ein spirituell diszipliniertes Leben, wie es die Meister nachdrücklich empfehlen und pflegt die Tugenden stiller Zurückgezogenheit und heiterer Gelassenheit. Lasst euer spirituelles Ziel an erster Stelle stehen und ihr seid innerhalb kürzester Zeit in der Lage, unnötige Verpflichtungen und ziellose Beschäftigungen aufzugeben. Es zahlt sich reichlich aus, ein wohlgeordnetes Leben zu führen.

Jeder Tag birgt ein neues Leben voll ungeheurer Möglichkeiten. Ihr dürft keinerlei Furcht hegen, sondern müsst versuchen, eure Kräfte dafür einzusetzen, das Ziel spiritueller Vollkommenheit zu erreichen. Sagt ja zum Leben mit all seinen Wechselfällen; nehmt es leicht mit Freude und Schwung. Seht einfach allen Lebenslagen mit festem, unerschütterlichem Mut ins Angesicht. Nutzt eure Fehler als Sprossen auf der Leiter zum Erfolg. Wer in seinen Bemühungen nicht nachlässt, wird sich über alle Schwierigkeiten hinwegsetzen.

Sant Kripal Singh

Sant Kirpal Singh (1894-1974) wirkte seit 1948 als spiritueller Meister. Auf seinen Vortragsreisen und als langjähriger Präsident der „Weltgemein-schaft der Religionen“ erwarb er sich in Ost und West große Achtung und Sympathie.

 PDF bestellen

Foto(s): getty images

Mehr VISIONEN?

Dieser Teaser zeigt einen kleinen Ausschnitt der April/Mai-Ausgabe.

Hat es gefallen? Das neue Heft gleich hier bestellen.

Die digitale Ausgabe findest du gleich hier!

Du willst Visionen nicht verpassen? Dann ist das Abo genau richtig!
Viel Freude und Inspiration beim Schmökern!

Visionen Newsletter abonnieren

Herzlich willkommen bei VISIONEN!

Bewusst & nachhaltig gelebtes Leben im Hier und Jetzt liegt uns am Herzen, das möchten wir mit Dir teilen.
Als Dankeschön für Dein Interesse an unserem Newsletter schenken wir Dir € 5.-
im visionen-shop (ab Bestellwert € 20)

€ 5,-
Gutschein

nach oben