ZEN – im Frühjahr 1986 halte ich das erste Mal ein Buch mit diesen drei Buchstaben in den Händen. Der Autor: Hugo Enomiya Lassalle. Ich sitze in einem Flugzeug nach Tokyo.
Draußen zieht die Nacht vorbei, und von dem, was auf mich zukommt, weiß ich nicht viel mehr als den Namen der Universität, an der ich in den kommenden zwei Semestern japanischen Studierenden die deutsche Literatur näherbringen soll.
Die Sophia-Universität in Tokyo wird 1913 von deutschen Jesuiten gegründet - unmittelbar vor dem Ausbruch des 1. Weltkriegs. 17 Millionen Menschen sterben in diesem von Europa ausgehenden Krieg, in den auch Japan hineingezogen wird.
Hugo Lassalle tritt 1919 in den Orden ein und kommt 1929 an die Universität. Sein Auftrag: Mission. Doch dann findet der Lehrer sich als Lernender wieder. Tagelang sitzt er im Kreis von Zen-Mönchen und übt sich in der rituellen Praxis des Zazen.
Christian Stahlhut





