Salma steht vor mir im Büro mit einem Geschenk in der Hand. Neun Millionen Menschen, denke ich. Das ist die Zahl, die ich gestern im Radio gehört habe. Neuen Millionen Menschen sind aus dem Sudan geflüchtet .
Salma ist eine von Ihnen. Seit Jahren tobt in Ihrer Heimat ein Grausamer Bürgerkrieg.
Ich weiß nicht, wie Salma diesem Grauen entkommen ist. Über geheime Fluchtwege und provisorische Zwischenstationen, über tausend Ängste und Ungewissheiten hinweg kam sie nach Berlin. Ihre krebskranke Mutter musste sie in Ägypten zurücklassen.
Vermittelt über einen Freiwilligenaustausch hat Salma ein Jahr in unserer Kita gearbeitet. Als wir vom Schicksal ihrer Mutter erfuhren, haben wir mit ihr zusammen Geld für eine OP in Kairo gesammelt. Nun steht Salma vor mir, mit einem Geschenk in der Hand. Ich habe sie lange nicht so strahlend erlebt.
Ihrer Mutter geht es besser. Salma will nun zu ihr zurückkehren. Will sie aus dem Krankenhaus holen und dann weitersehen, weitergehen: ins Ungewisse. Ich packe das Geschenk aus: eine crèmefarbene bauchige Henkeltasse. Sie fügt sich in meine Hand, als hätte sie schon immer dahingehört. Von diesem Moment an ist sie mein Lieblingskaffeepott.
Christian Stahlhut





