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Ein Streifzug durch Kunst, Theater, Politik und Spiritualität

Was verbindet den liebenswerten Hochstapler mit dem Demagogen, den „schönen Schein“ in der Kunst mit Maya, der Illusion von Getrenntheit? Christian Salvesen ist dem Unterschied von Schein und Sein auf der Spur.

"Mehr Schein als Sein.“ Auf wen oder was bezieht sich diese bekannte Redewendung? Zum Beispiel auf Hochstapler, die durch eine bestimmte Kleidung oder ein besonderes Verhalten bei Anderen den Eindruck erwecken wollen, sie seien etwas anderes, als sie tatsächlich sind. Meist geschieht das, um sich zu bereichern. Der angebliche Handwerker, der die Nachtischschubladen leerräumt; der Heiratsschwindler, der die große Liebe vorspielt; der falsche Mediziner, der Patienten ohne Zulassung behandelt, oder der Mann in Polizeiuniform, der Autofahrer wegen Geschwindigkeitsüberschreitung abkassiert. In Märchen wie 1001 Nacht gibt es aber auch den umgekehrten Fall: ein König, der sich als Bettler verkleidet, um die wahre Stimmung in seinem Volk zu erkunden.

In etlichen berühmten Romanen und Filmen spielt ein Hochstapler die Hauptrolle, und dabei handelt es sich meist um Komödien. Wer kennt nicht die Geschichte vom Hauptmann von Köpenick? Ein Schuhmacher zieht in der Uniform eines Hauptmanns und brav unterstützt von einer Schar Soldaten ins Rathaus, verhaftet den Bürgermeister und klaut dort die Kasse. Carl Zuckmayer machte aus der wahren Begebenheit von 1906 sein weltbekanntes Theaterstück, das später wiederholt verfilmt wurde. Oder Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull von Thomas Mann: Der charmante Felix der nicht nur reiche Damen um seinen Finger wickelt. Er ist zwar nicht adlig, was seinerzeit noch die gesellschaftlich vorrangige Rolle spielte, aber doch ein sympathischer Künstlertyp mit leichtem Hang zum Philosophischen. Und wenn der angeblich „jüngste Hochstapler der Geschichte“, Frank William Abagnale Junior, gespielt von Leonardo DiCaprio in dem Film Catch Me If You Can, als Flugkapitän mit schicker Uniform und hübschen Stewardessen im Gefolge dem ihn verfolgenden FBI-Agenten immer wieder ein Schnippchen schlägt, hat er das Publikum auf seiner Seite.

Die Welt urteilt nach dem Scheine. (Johann Wolfgang von Goethe)

Doch in der Realität verursachen Hochstapler und Betrüger meist mehr Leid als Vergnügen. Ich bin mehrmals Leuten auf den Leim gegangen, die um Hilfe baten und mich dabei um ein paar hundert Euro betrogen. Sich so betrogen zu fühlen tut weh. Das Vertrauen in andere wird auf eine harte Probe gestellt. Und das betrifft alle Bereiche des Lebens, von Vorbildern in unserer Kindheit bis hin zu falschen Gurus bei der spirituellen Suche. Andererseits gehört es wohl zum Leben, aus solchen Erfahrungen zu lernen und zu erkennen, was hinter dem Spruch „Mehr Schein als Sein“ steckt.

Christian Salvesen

FOTO: Thinkstock

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