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Yo-Yo Ma & The Silk Road Ensemble

Der chinesische Cellist Yo-Yo Ma, in den USA lebend und in der Welt zu Hause, bringt mit dem „Silk Road Ensemble“ unterschiedlichste Kulturen zusammen. Im Sommer kommt der Dokumentarfilm „The Music Of Strangers“ in die Kinos.

Yo-Yo Ma, seit mittlerweile 15 Jahre führen Sie ein musikalisches „Doppelleben“ mit Ihrem Weltmusik-Projekt. Woher nehmen Sie die Zeit für ein so anspruchsvolles und zeitintensives Projekt?

Ich weiß es ehrlich gesagt auch nicht. Es geht mir da wahrscheinlich wie vielen Menschen. Wenn sie mich heute fragen, ob ich Silk Road noch einmal starten  würde… ehrlich gesagt, wohl eher nicht. Denn sehr viele Dinge die Menschen tun, ganz egal ob im Kulturbereich oder im eigenen Leben, basieren vor allem auf  dem Gefühl „Ich glaube, ich sollte das tun“.

Was genau gab denn damals den Anstoß für „Silk Road“?

Die neunziger Jahre waren das Jahrzehnt der globalen Ökonomisierung, alles wurde nur noch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten gesehen. Es ging nur  noch um Wachstum, um Geschwindigkeit. Aber mehr Geschwindigkeit kann auch bedeuten: Mehr Chaos. Die Frage für mich war, wie gehen wir von der  kulturellen Seite aus damit um, wie können Künstler den Wandel gestalten, ohne Angst davor zu haben? Ganz gleich ob im Freundeskreis oder in der Familie –  manchmal kommt man nicht mehr miteinander aus. Und ähnliche Probleme haben natürlich auch Volksgruppen, Nationen, Staatengemeinschaften. Und  ähnlich wie in der Familie oder dem Freundeskreis hilft auch in größeren Gruppen nur, dass man miteinander spricht, aufeinander zugeht – oder wie bei Silk  Road miteinander musiziert.

Warum wurde der Name „Silk Road“ – Seidenstraße – für dieses Projekt gewählt?

Sie wissen wer den Namen ursprünglich geprägt hat? Es  war der Onkel des „Roten Barons“ Manfred von Richthofen, der Geograph Prof. Dr. Ferdinand von   Richthofen. Er hat den Begriff 1877 zum ersten Mal erwähnt. Auf diesem Netz aus Straßen gelangten nicht nur Kaufleute, Gelehrte und Armeen, sondern vor  allem auch Ideen, Religionen und ganze Kulturen von Ost nach West und umgekehrt. Diesen Effekt erhofften wir uns auch von unserem Projekt. Silk Road ist  nichts weiter als ein Experiment, um herauszufinden, wie ganz unterschiedliche Systeme miteinander funktionieren können. Es gibt in der Ökologie den „Edge- Effekt“ der beschreibt, das Entwicklungen immer dort besonders spannend sind, wo gegensätzliche Öko-Systeme aufeinander treffen. Wald und Savanne zum  Beispiel, mit ihren ganz unterschiedlichen Lebensformen. Dort wo sie zusammentreffen, herrscht die geringste Dichte an bekanntem Leben, aber die größte  Anzahl an neuen Lebensformen. Wenn man jetzt an die Musik denkt, ist es vergleichbar. Wenn man sich an den „Rändern“ von zwei Kulturen bewegt, hat man  schnellen und direkten Zugriff auf den Kern der beiden Kulturen. Und da wird es spannend aus meiner Sicht, denn da kann man sehen, ob Dinge miteinander funktionierten, ob man Techniken, Stile, Traditionen in Einklang bringen kann.

www.silkroadproject.org/ensemble

Harald Scholl

FOTO:

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