Magazin Visionen - Einfach. Besser. Leben.

Visionen

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Der Helfer in dir

Der spirituelle Weg ist eine Bereicherung für uns in allen Aspekten unseres Lebens. Denn aus dem Kontakt mit unserer göttlichen Quelle fließen uns Hilfe und Schutz auf allen Seiten zu.

Spiritualität ist eine praktische Angelegenheit, und nicht eine Frage des Nachdenkens und Spekulierens. In der Spiritualität geht es um den Geist (lateinisch: spiritus) bzw. die Seele und den Weg, wie die Seele mit Gott als ihrem Ursprung in Berührung kommt, sich wieder mit ihm verbindet, diese Verbindung durch Meditation festigt und letztlich mit ihm völlig eins wird. Seit jeher haben die spirituellen Meister ihren Schützlingen diesen Weg vermittelt und sie zu ihrem spirituellen Ziel in Gott begleitet. Die Seelen sind ursprünglich aus Gott hervorgegangen, haben sich von ihm abgetrennt und sich dem Leben in der materiellen Welt zugewandt. Auf Dauer sind wir als Seelen – allein und im Exil – jedoch nicht glücklich. Erst wenn wir wieder in Verbindung mit Gott sind, werden wir wahre, dauerhafte Freude und Geborgenheit in unserem irdischen Leben empfinden.

Manchmal meinen wir, dass es auch in den Dingen dieser Welt Glück und Zufriedenheit gibt. Aber das liegt nur daran, dass wir unsere Aufmerksamkeit auf eine Sache konzentrieren, sie beurteilen und Gefühle daran knüpfen. Solche Glücksgefühle halten jedoch nur so lange an, wie wir unsere Aufmerksamkeit auf diese Sache gerichtet halten, und verschwinden wieder, sobald wir uns mit einer anderen Sache befassen. Wir Menschen haben also von Natur aus eine besondere Beziehung zu Gott: Er ist unser aller „Vater“ oder Ursprung. So fragen wir uns natürlich, warum Gott uns nicht hilft, wenn wir gerade in Schwierigkeiten stecken oder unglückliche Zeiten erleben. In Wahrheit wartet Gott nur darauf, uns Menschen zu helfen, aber ungebeten mischt er sich nicht in unsere Angelegenheiten ein. Immer, wenn wir uns in der Not an ihn wenden, erhalten wir Hilfe von Gott, aber vor lauter Unruhe und Geschäftigkeit realisieren wir diesen göttlichen Beistand nicht. Der Grund dafür ist, dass unsere Seelen nicht in Verbindung mit Gott stehen und deshalb sein Wirken zu unseren Gunsten nicht wahrnehmen.

Die Verbindung wiederherstellen

Bevor wir Gott mangelnde Hilfsbereitschaft vorwerfen, sollten wir also bedenken, dass wir die Verbindung zu Gott verloren haben. Und wenn wir die Hilfe Gottes vollumfänglich genießen und wahrnehmen wollen, ist es notwendig, diese Verbindung wiederherzustellen. Aber woran können wir erkennen, ob wir tatsächlich mit Gott in Verbindung sind und uns nicht bloß etwas einbilden? Zuerst müssen wir verstehen, was Gott ist. Gott ist eine unermessliche allbewusste Kraft, die, wenn sie aus der absoluten ruhenden Seinsweise heraustritt und in den Modus des aktiven Wirkens übergeht, sich in Form von spirituellem Klang und spirituellem Licht manifestiert. Und in diesen zwei Formen, wiederum in vielfältiger Variation, zeigt sich Gott der Seele in der Meditation. An diesem Kriterium kann man feststellen, ob man in der Meditation wirklich mit Gott zusammengekommen ist oder nicht. Diese Verbindung mit Gott können wir mit der Unterstützung eines fähigen spirituellen Meisters wiedererlangen, so dass wir lernen, wie wir uns jederzeit an Gott in unserem eigenen Innern wenden können. Der persönliche, direkte Kontakt mit Gott in der Meditation beschert uns zahlreiche Vorteile, unter anderem göttlichen Rat und Beistand, wann immer wir ihn brauchen.

Entspannt leben

Wenn wir göttliches Licht oder göttlichen Klang im Innern der Seele erfahren, erfüllt uns dies mit Freude. Vor allem die bezaubernde göttliche Musik zieht unsere Seele noch näher zur Urquelle, was uns Frieden und entspannte Gelöstheit schenkt. Die Verbindung mit Gott in der Meditation tut aber nicht nur der Seele gut, sondern auch dem Körper. Von den Geräuschen und dem Licht in dieser Welt werden wir über kurz oder lang müde und gereizt, aber ganz anders wirken die göttlichen Klänge: In dem Moment, wo diese Gottesmanifestation unsere im Dritten Auge gesammelte Aufmerksamkeit zu sich heranzieht, kommt es im Körper zu einer gründlichen Entspannung. Dazu brauchen wir nicht einmal ein Bett und ein abgedunkeltes Zimmer. Diese innere Freude und die Entspannung sind die erste und grundlegende Hilfe, die uns aus der Verbindung mit Gott erwächst.

Verbesserte Konzentration

Durch die Meditationspraxis lernen wir, unser ungestümes Denken unter Kontrolle zu bringen und unsere Aufmerksamkeit an einem einzigen Punkt – am Dritten Auge – zu bündeln. Denn dies ist die Voraussetzung, um mit Gott in Kontakt zu kommen. Und mit der Zeit, mit fortgesetzter Übung, werden wir immer besser darin. Diese Einübung und ständige Verbesserung der Konzentrationskraft kommt uns natürlich auch im Alltag bei der Arbeit, bei der Lösung von Problemen und bei allem, was wir tun, zugute. Dank besserer und ausdauernder Konzentration werden wir unsere Pflichten und Aufgaben in dieser Welt besser, effizienter und in kürzerer Zeit erledigen.

Erleichterung bei Krankheit

Wenn wir mit dem Klangstrom im Innern in Kontakt kommen, erhalten wir auch für physische Krankheiten Hilfe und Linderung. Bei großen Schmerzen und Beschwerden werden wir diese dank der Konzentration und Beherrschung der Aufmerksamkeit nicht so stark empfinden. Entspannung und Erholung werden rasch eintreten. Der Grund dafür liegt darin, dass der göttliche Klangstrom, mit dem wir in der Seele in Kontakt sind, Einfluss auf den physischen Körper hat. Auch das innere Licht wirkt als heilende Kraft auf den Körper. In der medizinischen Lichttherapie werden Kranke mit UV-Strahlen und anderen Lichtfrequenzen behandelt, aber dieses äußere, physikalische Licht wirkt ausschließlich auf den Körper. Das göttliche Licht hingegen hat eine wohltuende Wirkung nicht nur auf unsere Seele und unser Gemüt, sondern auch auf unseren Körper. Ich habe selbst in Indien viele Fälle von Menschen gesehen, die keine medizinische Behandlung bekommen konnten, aber allein durch die Meditation rasche Genesung erfuhren. Die Auswirkung des göttlichen Lichts und Klang ist so groß, dass sie zuweilen alle Partikel unseres Körpers umwandeln. Dies ermöglicht es z. B. Drogen- und Alkoholabhängigen, umgehend und nachhaltig von ihrer Sucht frei zu kommen.

Führung in der Not

Gottes Hilfe ist aber noch weitreichender. Wenn wir die Spiritualität praktizieren, sodass wir eine innere Verbindung mit Gott haben, können wir jederzeit hilfreiche Anweisungen, Lösungen und Handlungsimpulse von ihm im Innern empfangen. So gibt er uns konkret Führung und Schutz in schwierigen Situationen. Er inspiriert uns zum Beispiel, mal einen anderen Weg zum Bahnhof zu nehmen, sodass wir etwa vor einer Gewalttat bewahrt werden oder auf die Lösung für ein drängendes Problem stoßen. Und dank unserem „guten Draht“ zu Gott werden wir sofort wissen (und nicht nur vermuten), dass diese Hilfe kein Zufall ist, sondern von ihm kommt. Wenn wir mit unserer Aufmerksamkeit bei Gott sind, mit Gott verbunden sind und ihn im Gebet um Hilfe bitten, wird er helfen. Er wird auf unser Beten reagieren und uns durch Visionen und Mitteilungen anderer Art leiten und beschützen. Aber einfach nur zu beten, ohne die Aufmerksamkeit auf ihn zu richten, wird nichts bringen.

Ein Leben voller Liebe

Aus der Verbindung mit Gott in Form von Licht und Ton im Innern entsteht ganz natürlich eine aufrichtig empfundene Liebe für alle Geschöpfe. Denn dann wissen wir, dass Gott in uns wohnt, und dadurch wissen wir auch, dass er genauso in jedem anderen Menschen und Lebewesen ist, und wir werden ihn selbstverständlich auch in anderen respektieren und lieben. Diese Erkenntnis formt und färbt die Art, wie wir sprechen, handeln und uns im Umgang mit anderen verhalten. Wenn wir einmal begriffen haben, dass Gott in uns und anderen wohnt, können wir uns nicht mehr gegenüber den Mitmenschen schlecht aufführen. Wir werden zudem auf Ehrlichkeit in unseren Worten und Taten bedacht sein. Diese Aufrichtigkeit und diese liebevolle Art helfen uns auf vielfältige Weise, ein gutes Leben zu führen. Wir sind frei von Anspannung und Sorge, und diese Zufriedenheit drückt sich in unserem ganzen Verhalten aus.

Frei von Anhaftung

Durch die Erfahrung von Gott in der Meditation wird die Seele mit spiritueller Freude erfüllt und gesättigt. Das führt dazu, dass unsere Wünsche und Bindungen an die Dinge in der äußeren Welt automatisch nachlassen. Dies ist eine enorme Hilfe und Erleichterung für unser ganzes Leben. Denn das Wünschen macht unglücklich und unzufrieden. Wünsche machen uns rastlos, gierig, frustriert und ärgerlich. Aufgrund von Wünschen verhalten wir uns fehlerhaft. Und das Wünschen nimmt kein Ende. Jedes Mal, wenn wir irgendetwas in dieser Welt genießen, binden wir uns daran: Wir wollen die Sache noch einmal genießen, vielleicht noch intensiver, oder sie besitzen, und so entstehen immer weitere Wünsche. Das Problem ist: Je mehr wir versuchen, uns von diesen Bindungen zu lösen, desto stärker werden sie. Denn indem wir ständig daran denken, dass wir uns von einer Sache – zum Beispiel von der Schokolade – lösen sollten, werden wir durch das Daran-Denken nur noch stärker daran gebunden. Wenn wir uns jedoch in die andere Richtung wenden und im Innern etwas Beglückenderes finden und uns dem verschreiben, verlieren die Dinge in der äußeren materiellen Welt ihren Reiz und wir lösen uns mühelos und schmerzlos von ihnen. Wie Buddha sagte: „Ein wunschloser Mensch ist ein glücklicher Mensch.“ In dem Maße, wie wir dank der Rückbindung an Gott unsere Bindungen und das Wünschen abstellen, leben wir zunehmend glücklicher und freier. Auf diese Weise machen die in die Seele einströmenden göttlichen Kräfte uns immun gegen Eindrücke aus unserer Umgebung und gegen neue Wünsche und Bindungen. Es ist, als würden wir in einer sicheren Burg leben, wo wir gegen alle negativen Einflüsse von außen geschützt sind. Dieser Zustand entsteht durch die innere Verbindung mit der Gotteskraft.

Soami Divyanand

Soami Divyanand (1932 – 2014), Meister des Surat-Shabd-Yoga, lehrte mehr als 35 Jahre lang den spirituellen Pfad des inneren Lichtes und Klangs. Veden-Übersetzer und Autor zahlreicher Bücher.

FOTO: THINKSTOCK

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