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Vom 17.–19. Oktober 2014 richtet der Förderkreis für Ganzheitsmedizin Bad Herrenalb zum dritten Mal einen Kongress zum Thema Trauma, Traumatherapie und Spiritualität aus. Im Vorfeld antwortete Dr. Kornelius Roth, Psychiater und Vorsitzender des Vereins, auf Fragen zu Ursachen und Heilungschancen von Traumata.

Herr Doktor Roth, wie würden Sie ein Trauma beschreiben und definieren?
Ein Trauma ist ein Ereignis, bei dem ein Mensch mit dem tatsächlichen oder drohenden Tod oder zumindest mit Gefahr für die eigene körperliche Unversehrtheit konfrontiert wird. Diese Begebenheiten können uns selber betreffen, aber ein Trauma kann auch durch Beobachtung Dritter entstehen.

Wie häufig sind Traumen und welche Arten von Traumatisierungen kann man unterscheiden?
Ca. 50% der Menschen haben einmal oder mehrmals eine traumatische Erfahrung in ihrem Leben gemacht. Man kann kollektive Traumata unterscheiden, die Menschen z.B. bei einer Naturkatastrophe erleiden. Das ist eine belastende Erfahrung, die man, wenn man überlebt hat, jedoch mit anderen teilt. Das Ereignis wird öffentlich wahrgenommen und man sitzt sozusagen in einem Boot mit anderen Betroffenen. Das solidarisiert.

Das Einzeltrauma hingegen, welches ein einzelner Mensch durch andere erleidet, führt oft zum Rückzug des Betroffenen. In vielen Fällen schämt sich das Opfer für das, was ihm angetan wurde. Deshalb erzählen so wenige Betroffene von ihren Erlebnissen. Die individuellen Traumata können Scham- und Schuldgefühle hervorrufen und isolieren. Gerade Kinder nehmen die Schuld der Täter auf sich. Wenn ein traumatisches Ereignis nicht verarbeitet werden kann, kann sich später eine Vielzahl von Symptomen entwickeln, die die Entwicklung seelischer Erkrankungen begünstigen.

In der Psychotherapie entwickelt sich langsam das volle Verständnis für die inneren Zusammenhänge und Auswirkungen traumatischer Ereignisse. Auch das Bewusstsein dafür in unserer Gesellschaft hat sich verändert. Andererseits muss man feststellen, dass selbst unter Fachleuten immer noch mangelnde Kenntnisse über die Auswirkungen traumatischer Erfahrungen existieren.

Ein Trauma bringt den Menschen real oder gefühlsmäßig in Todesnähe.

Die Fragen stellte Ann-Kathrin Stoltenhoff

FOTO: Thinkstock

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