Magazin Visionen - Einfach. Besser. Leben.

Zeit relativ

Das moderne Zeiterleben ist von künstlicher Knappheit, Hochgeschwindigkeit und dem Verlust der natürlichen Rhythmen geprägt. Eine oberflächliche Wahrnehmung und Unachtsamkeit sind die Folge.

Zeit - das schwierigste Rätsel des Universums

Zeit gehört zu den vertrautesten und zugleich am wenigsten verstandenen Begriffen, mit denen die Menschheit umgeht. Wir sagen, die Zeit fliegt, wir sagen, sie ist Geld, wir versuchen, sie zu sparen, und wir ärgern uns, wenn wir sie vergeuden. Aber was ist Zeit? In Jahrhunderten des Grübelns und Nachdenkens haben wir in einige Geheimnisse der Zeit Einsicht ge-wonnen, doch viele bleiben. Woher kommt die Zeit? Was würde es bedeu-ten, ein Universum ohne Zeit zu ha-ben? Könnte es mehr als eine Zeitdi-mension geben, so wie es mehr als eine Raumdimension gibt? Können wir in die Vergangenheit „reisen“? Könnte die Zeit ein abgeleiteter Begriff sein, der sich aus einem noch nicht ent-deckten, grundlegenderen Konzept ergibt? Vollständige und überzeu-gende Antworten auf diese Fragen ge-hören zu den ehrgeizigsten Zielen der modernen Wissenschaft. Doch die großen Fragen sind keineswegs die ein-zigen. Selbst die alltägliche Erfahrung der Zeit führt direkt zu einem der schwierigsten Rätsel des Universums.
Brian Greene

Gefühlte Zeit ist nicht die gemessene Zeit

Ist Zeit nur eine menschliche Erfindung? Gibt es sie nur, weil wir sie messen? Jedenfalls gab es Zeitspannen in meinem Leben, für die kein Zeitmaß taugt. Ob wir ihre Dauer in einer Anzahl Minuten, Stunden oder Tagen messen – im Gefühl und später in unserer Erinnerung ist sie ein Nichts  oder eine Ewigkeit. Vor allem wenn wir ganz gefordert sind, ist gefühlte Zeit nicht gleich gemessener Zeit. Bei Abenteuern erlebe ich so viel, und  die Erkenntnisse daraus graben sich so tief in mein Gedächtnis ein, dass die erinnerten Geschichten dazu zeitlos bleiben müssen. Als würden wir  Zeit beim intensiven Tun gar nicht wahrnehmen. Erst hinterher, mit allen gelebten Umständen verknüpft, schlüsselt sich eine Geschichte in ihren Zeitabläufen numerisch auf. Die Wahrnehmung von Wirklichkeit und Zeit aber hängt viel mehr von der Intensität des jeweiligen Erlebnisses ab  als von dessen Dauer. Emotionen strecken die Zeit.
Reinhold Messner

Ökologie der Zeit

Wir sind dabe, die Welt zu verlieren - wegen der Geschwindigkeit, weil sie weltweit die Umwelt immer mehr zerstört. Geschwindigkeitsexzesse in Wissenschaft und Technik hinein verlängern, ohne die Bremse der Vernunft und der politischen Vernunft, so kommen wir in eine Situation, in  der man die Frage nach einer Ökologie der Zeit stellen muss. Wir sprechen heute davon, dass wir die Welt verlieren, weil sie verschmutzt ist, und  dass sie bald ein Ort sein wird, an dem man nicht mehr leben kann. Aber damit beziehen wir uns auf den realen Raum einer Substanz, die  entfremdet, verschmutzt wird. Aber auch die reale Zeit der Erde ist verschmutzt durch die Augenblicks-Schnelligkeit von Verkehrsmitteln und  Medien. Eines Tages wird es den Zeit-Raum der Welt nicht mehr geben, weil wir die Ausdehnung und Dauer der Welt durch die Geschwindigkeit verloren haben werden. … Darin liegt ein gewaltiger symbolischer Verlust.
Paul Virilio

Das Geheimnis der zerdehnten Zeit

Das Langsame, das Bedächtige, ist eine wichtige Produktivkraft. Vieles, auf das wir nicht verzichten können, vieles, was zentraler Bestandteil des Lebendigen und dessen Entwicklung ist, kann nur durch und mit Langsamkeit geschützt und befördert werden. Diese erst ermöglicht die Freiheit des Denkens, des Fragens und die Entwicklung der Sinne (man kommt eben langsam zu Sinnen). Das Nahe und Naheliegende übersehen wir,  wenn wir nicht langsam sind. Nur die Geduldigen öffnen sich, greifen zögernd ein. Staunend sind sie in der Lage, sich der Mitwelt zuzuwenden –  und sich ebenso. Denn nur jene, die nicht eilig sind, können sich zum “ungeschminkten Gesellschafter” (Hermann Hesse) haben. Nur mit Hilfe von Langsamkeit und Besinnung entwickelt sich die Vielfältigkeit der Wahrnehmung, entwickeln sich Gründlichkeit, Gerechtigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Zerdehnte Zeit, die wir Langsamkeit nennen, ist daher keine Zeit der Untätigkeit, sie ist produktiv und unverzichtbar.
Karl A. Geißler

Zeit und die High-Speed-Gesellschaft

Wir leben unter der Diktatur des Adrenalins und hasten atemlos durchs Tempoland. Wir glauben, alles erreichen zu können, wenn wir nur beschleunigen. Zum Beschleunigen brauchen wir Adrenalin. Es ist das Hormon der High-Speed-Gesellschaft, unserer Non-Stop-Kultur. Mit Smartphone und Laptop ist immer Rushhour. Wir sind stets und überall erreichbar, hochwachsam, rund um die Uhr. Wir hetzen, mobil und flexibel, wie wir sind, weil es von uns verlangt wird, rund um die Welt. Politiker sind heute in Chicago, morgen in Peking. Unsere Manager heute  in Chelsea und morgen in Prag, unsere Verkäufer heute in Celle und morgen in Pirmasens. Wir wechseln den Job, den Arbeitgeber, den Ort – und  nicht immer, aber immer öfter den Partner. … Das Leben ist gefüllt, nur eben nicht erfüllt. Vielen geht vieles, wenn nicht fast alles, viel zu schnell.  Der Schnelle frisst den Langsamen, der Bewegliche den Schwerfälligen. Sogar unsere Sprache ist von der Hetze infiltriert...
Lothar Seiwert

Zeit im Bewusstsein des Sinnsuchers

Zeit zu sehr begehrt, um ihre Wesensart nicht zu verfälschen. Ich habe sie von der Welt isoliert, habe aus ihr eine von jeder anderen Wirklichkeit  unabhängige Wirklichkeit gemacht, ein Surrogat des Absoluten. Eine seltsame Unternehmung, die sie von allem lostrennt, was sie voraussetzt,  und von allem, was sie bewirkt, eine Verwandlung des Statisten in den Star, eine ebenso ungerechtfertigte wie unvermeidliche Beförderung. Ich kann es nicht leugnen, dass es ihr gelungen ist, meine Sinne zu umnebeln. Trotzdem hat sie nicht vorhergesehen, dass ich ihr gegenüber eines  Tages von der Besessenheit zur Klarsicht übergehen würde, einschließlich aller für sie damit verbundenen Gefahren. Sie ist nämlich nicht dazu  gemacht, erkannt, sondern erlebt zu werden; sie ausspähen, sie durchwühlen heißt, sie zum Objekt umzuwandeln. Wer sich damit abgibt, wird auch bald sein eigenes Ich in gleicher Weise bearbeiten. Jede Form der Analyse ist eine Entweihung, also ist es unanständig, sich darauf  einzulassen.
Emile M. Cioran

FOTO: Thinkstock

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