950 Kilometer, zehn Tage, eine Insel so groß wie Frankreich und Belgien zusammen. Und das Gefühl, in einer einzigen Reise einmal durch die gesamte Erde gestreift zu sein.
Die Maschine landet kurz nach Sonnenuntergang in Antananarivo. Trotz langer Anreise bin ich hell-wach. Die flirrende Luft riecht nach Blüten und wilder Erde und etwas schwer Benennbarem darunter, einem Urton, der tiefer liegt als jede Zivilisation. Willkommen auf der viertgrößten Insel der Welt, 587.000 Quadratkilometer im Indischen Ozean, rund 400 Kilometer vor der Südostküste Afrikas, und doch so weit vom Festland entfernt, dass man hier sogar vom achten Kontinent spricht.„Tana“, sagt Jean-Luc und lächelt, als der Minibus ins Gewühl der Hauptstadt eintaucht. Antananarivo, kurz „Tana“ genannt, liegt mit ihren 1,3 Millionen Einwohnern auf 1.400 Metern Höhe verstreut über feuerrote Hügel, und Jean-Luc, unser deutschsprachiger Guide, gebürtiger Madegasse, hat diese facettenreiche Stadt im Blut. Für die dreißig Kilometer ins Zentrum brauchen wir anderthalb Stunden. Ochsenkarren, Trillerpfiffe, Verkäufer, die ans Fenster klopfen. Irgendwie aber wirkt alles entspannt.
Tina Engler





