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Seit über 30 Jahren beschäftigt sich der Pflanzenexperte Stephen Harrod Buhner mit der Heilkraft von Pflanzen.

Als Verfechter der Biophilie betrachtet er Mikroorganismen nicht als Feinde, sondern als Partner. Menschen, Tiere und Pflanzen leben seit unvorstellbar langer Zeit in Symbiose mit Bakterien, Viren und einer Mikrofauna.

Buhner zufolge ist jede Krankheit darauf zurückzuführen, dass unsere Partnerschaft mit den Mikroorganismen gestört ist. Demnach sind nicht die  pathogenen Keime Ursache von Erkrankungen, sondern ein Ungleichgewicht der körpereigenen Bakterienpopulationen, das von Keimen zum eigenen Vorteil ausgenutzt wird. Pharmazeutische Antibiotika heilen Krankheiten nicht, sie vernichten lediglich „opportunistische“ Pathogene und führen zum  Kahlschlag bei unseren nützlichen Helferbakterien. „Den Bakterien den Krieg zu erklären, ist eine Kampfansage gegen jedwede Lebensform auf Erden –  letztendlich gegen uns selbst“, so Buhner.

Zunehmende Antibiotika-Resistenz

Die Antibiotika der modernen Medizin gelten als Fortschritt zum Wohl der Menschheit. Wir müssen aber heute einsehen, dass ihre Wirksamkeit maßlos  überschätzt wurde. Schon 1945 verkündete Alexander Fleming in seiner Nobelpreis- Rede die drohende Resistenzentwicklung gegen das von ihm entdeckte  Wundermittel Penicillin. Seine Warnung sollte sich bewahrheiten: Seither wurde bei jedem weiteren Antibiotikum innerhalb eines relativ kurzen  Zeitfensters Resistenz beobachtet.

Wir müssen zugeben, dass wir das Desaster der Antibiotika-Resistenz selbst verschuldet haben – durch Missbrauch und durch unvernünftige,  unkontrollierte Anwendung dieser Medikamente. Antibiotika- Rückstände belasten die Umwelt in hohem Maße und sind fast überall nachweisbar. Das  schwächt ihre Wirksamkeit, teilweise bleiben sie sogar vollständig wirkungslos. Die Resistenzentwicklung ist kaum rückgängig zu machen.

Pflanzliche Antibiotika

Pflanzliche Antibiotika trumpfen mit einer Reihe von Vorteilen auf. Bakterielle und virale Infektionen betreffen nicht nur Mensch und Tier, auch die  Pflanzenwelt bleibt nicht von ihnen verschont. Während Jahrmillionen haben Pflanzen deshalb raffinierte Abwehrmechanismen gegen die pathogenen  Invasoren entwickelt.

Heilkräuter weisen komplexe Kompositionen antibiotischer Wirkstoffe auf, die synergistisch miteinander agieren können und eine Resistenzentwicklung  seitens der Mikroben kaum zulassen. Darüber hinaus sind Heilkräuter bei sachgerechter Anwendung sehr sicher und verursachen im Vergleich zu  Pharmazeutika kaum Nebenwirkungen. Kräutermedizin ist eine natürliche, erneuerbare Ressource, die im Gegensatz zu Medikamenten umweltneutral ist. Pflanzliche Antibiotika gelten als letzte verbliebene Hoffnung zur wirksamen Behandlung von Infektionskrankheiten, die durch resistente Keime ausgelöst  werden. Welche Heilkräuter sich für diesen Zweck eignen, wie man sie zubereitet und anwendet, verrät Stephen Buhner in seinen Büchern „Pflanzliche  Antibiotika“ und „Pflanzliche Virenkiller“. Er hat Tausende von Studien ausgewertet und stellt auf dieser Basis Therapiestrategien vor, die bei resistenten Keimen hochwirksam sind – ein unschätzbar wertvolles Hilfsmittel, das Leben retten kann.

Antibiotische Kräuter und Immunkräuter

Buhner unterteilt antibiotisch wirksame Heilpflanzen in drei Kategorien: systemische Antibiotika-Kräuter, lokal wirksame Antibiotika-Kräuter und  synergistisch wirksame Kräuter.
• Bei ersteren gelangen die antibiotischen Wirkstoffe via Blutkreislauf in alle Körperregionen. Diese Pflanzen eignen sich deshalb zur Behandlung von  akteriellen Infektionen, die den ganzen Körper betreffen und gleichzeitig gegen Antibiotika mehrfach resistent sind – ein Beispiel ist MRSA. Buhners Top 5 aus dieser Kategorie sind Cryptolepis, Sida, Alchornea, Bidens und Artemisia.
• Lokal wirksame Antibiotika-Kräuter, wie z. B. Wacholder und Usnea, können die Schleimhäute des Magen-Darm-Trakts kaum überwinden. Sie wirken  evorzugt auf der Haut sowie auf die Darmschleimhaut und in den Harnwegen. Solche Kräuter sind besonders hilfreich bei Infektionen mit E. coli7 und  Cholerabakterien sowie bei infizierten Hautwunden, die schwer abheilen.
• Synergistisch wirksame Kräuter erhöhen die antibakterielle Wirksamkeit von Antibiotika-Kräutern, wenn sie zusätzlich gegeben werden – oder sie greifen das Bakterium direkt an, damit das Antibiotika-Kraut besser wirken kann. Ein Beispiel hierfür ist Glyzyrrhiza glabra (Süßholz), das u. a. den potenten  irkstoff Glycyrrhizin enthält.

Tatsächlich zeigen Studien übereinstimmend, dass die meisten Menschen virulente Bakterien mit sich herumtragen und dennoch niemals erkranken. Je  gesünder das Immunsystem ist, desto seltener gewinnt eine Krankheit die Oberhand. Aus diesem Grund empfiehlt Buhner die zusätzliche Anwendung von  immunstärkenden Kräutern wie Ashwagandha, Reishi, Rosenwurz oder Taigawurzel.

Zubereitung und Anwendung von Heilkräutern

Heilkräuter können, aber müssen nicht  unbedingt zu Tinkturen oder Auszügen verarbeitet werden. Sie lassen sich auf verschiedene Arten direkt  einnehmen: als Pulver, als Nahrungsmittel oder als Saft. In diesen Formen sind sie sehr wirksam bei Krankheiten oder Beschwerden. Nachfolgende einige  Anwendungen aus den beiden Büchern von Stephen Harrod Buhner:

• Darminfektionen:
Anwendung 1 (antibakteriell): Cryptolepis-
Berberin-Tinktur (1:1), 1 TL bis 1 EL,
drei- bis sechsmal täglich, je nach Schweregrad.
Anwendung 2: Ingwer-Säckelblumen-
Echi nacea angustifolia-Tinktur, 1 TL,
sechsmal täglich.

• Staphylokokken-Infektion:
Bei schwerer systemischer Staphylokokken-
Infektion: einen halben bis 1 TL
Cryptolepis-Tinktur dreimal täglich; in
sehr schweren Fällen 1 EL dreimal täglich,
maximal 60 Tage.

• Mundinfektionen:
Anwendung (antibakteriell): Berberin-
Tinktur mit Wasser verdünnt als Spüllösung
(1:6), 1 EL, dreimal täglich anwenden.

• Grippe
Der heiße Tee aus dem frischen Ingwersaft
ist bei Grippe und schweren Virusinfektionen
außerordentlich wirksam. Dafür 500–
1000 g Ingwerwurzel entsaften, den letzten
Saftrest aus der Masse auspressen. In ein
verschließbares Gefäß abfüllen und im
Kühlschrank aufbewahren. 4 bis 6 Tassen
Ingwer-Tee täglich trinken.
Zutaten für eine Tasse:
• 1 EL Ingwersaft
• 250 ml heißes Wasser
• 1 TL Wildblütenhonig
• 1/2 Limette, Saft
• 1/8 TL Cayenne-Pfeffer

Dr. Natalie Lauer

BUCHTIPPS
Von Stephen Harrod Buhner bei Herba Press erschienen:
Pflanzliche Antibiotika (2015)
Pflanzliche Virenkiller (2016)
Die heilende Seele
der Pflanzen (2017)
www.herbapress.de

FOTO: herbapress

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